Tagesspiegel, 29 February 2020
A number of quotes from AAN’s Thomas Ruttig in this analysis in the Berlin daily of Afghanistan’s situation at the time of the signing of the US-Taleban deal (in German):
Hinzu kommen die militärischen Opfer. „Das Verhältnis der Toten ist etwa eins zu zwei bis drei“, schätzt der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig, der das Land seit 35 Jahren kennt. Statistiken gibt es dazu nicht mehr, für Beobachter ist das ein schlechtes Zeichen. Die Taliban haben immer mehr Gebiete erobert. „Von den 400 Distrikten des Landes ist die Regierung in 64 gar nicht mehr vertreten oder sie halten gerade noch das Gebäude des Distriktgouverneurs“, schildert Ruttig am Freitag am Telefon aus Kabul die Lage. „Und 120 bis 190 Distrikte sind hart umkämpft.“ (…)
Doch allein 300.000 der ohnehin nur 1,8 Millionen abgegeben Stimmen sind umstritten; bis zu 30 Prozent könnten ungültig sein, sagt Afghanistan-Experte Ruttig. „Für viele Afghanen ist das nicht ihr gewählter Präsident.“ Vor allem war ein großer Teil der Bevölkerung schon vorher mit der korrupten Regierung, die die Wirtschaft nicht vorangebracht habe, nicht zufrieden, weil sie „nicht geliefert“ habe. Viele Menschen müssen sich als Tagelöhner durchschlagen.
„Die Leute sagen, die Armut ist unter Präsident Ghani und seinem Vize Abdullah Abdullah noch größer geworden, aber er bombardiert auch noch unsere Dörfer“, schildert Ruttig den Unmut in Teilen der Bevölkerung. Abdullah Abdullah war auch angetreten, ist laut Wahlkommission aber Ghani unterlegen. Er will das Ergebnis aber nicht anerkennen. (…)
„Auch viele Regierungs- und Parlamentsmitglieder sind Islamisten, die sich in diesen Fragen nicht sehr von den Taliban unterscheiden“, sagt Ruttig. Und auch viele Männer in der Bevölkerung. „Die Verhandlungsdelegation muss Vertreter der weiteren Zivilgesellschaft umfassen“ sagt nicht nur Ruttig.
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This article was last updated on 9 Apr 2020