Afghanistan Analysts Network – English

AAN in the Media

Kundus – ein Jahr nach dem Bundeswehr-Abzug

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ZDF (heute.de), 5 October 2014

In a report on its website, the prime time news of Germany’s second public TV broadcaster ZDF report on the situation in Kunduz, one year after the Bundeswehr withdrawal from the province. It quotes AAN’s Thomas Ruttig:

“Die Lage ist unübersichtlich. Die Provinz Kundus gehört zu den problematischsten Regionen im Land”, sagt Thomas Ruttig von der Nichtregierungsorganisation Afghanistan Analysts Network. Dabei seien die Taliban “nur eine Komponente”. Kriminelle Netzwerke, die mit mächtigen Leuten in der Zentral- und in der Provinzregierung verbunden seien, und verschiedenste Milizen stünden den Fundamental-Islamisten in nichts nach. Es gebe milizartige Strukturen, wie beispielsweise die Regionalpolizei ALP, die zwar formal der Regierung untergeordnet sind, aber aus ehemaligen Bürgerkriegstruppen rekrutiert seien und so auch immer noch agierten.

Da sie von der Regierung nur unregelmäßig bezahlt würden, besserten die Männer ihr schmales Salär mit Schutzgelderpressungen auf. Darüber hinaus machten sogenannte “unverantwortliche Milizen” die Gegend unsicher. Sie gehörten einzelnen Warlords, die über den Auftrag der Kämpfer bestimmen. Erschwerend komme hinzu, dass die Provinz ethnisch stark durchmischt sei: ein Drittel Paschtunen, fast genauso viel Usbeken, 20 Prozent Tadschiken, zehn Prozent Turkmenen und sechs Prozent Hazara. Viele Milizen organisierten sich entlang der ethnischen Grenzen. “Die Zivilgesellschaft befindet sich zwischen allen Fronten”, sagt Ruttig.