Afghanistan Analysts Network – English

AAN in the Media

Die schwierige Aufarbeitung des Afghanistan-Einsatzes

< 1 min

Augsburger Allgemeine, 8 October 2021

AAN’s Thomas Ruttig is quoted (in German) in this aricle in the southern Germany-based daily about the German defence ministry’s first round of an attempted appraisal of the German mission in Afghanistan. Thomas calls the attempt an ‘introspection’ missing ‘a sufficient number of independent voices’:

Für Thomas Ruttig, Direktor des Afghanistan Analysts Network, einer unabhängigen Forschungseinrichtung, ist die „Aufarbeitung des Einsatzes überfällig”. Allerdings habe er den Eindruck, dass die Verteidigungsministerin das Ganze jetzt übers Knie breche. Doch seine Kritik geht tiefer: „Was mir sauer aufstößt, ist die Zusammensetzung der ersten Runde, die an dieser Bilanzdebatte teilnehmen soll. Sie besteht fast ausschließlich aus Insidern, also Politikern und Militärs. Es fehlt an unabhängigen Stimmen. Das läuft für mich auf eine Selbstbespiegelung hinaus“, sagt Ruttig im Gespräch mit unserer Redaktion. “Am besten wäre eine möglichst breit aufgestellte, unabhängige Untersuchungskommission aus Experten und Politikern mit einem breiten Mandat“, fügt Ruttig, der mehrere Jahre in Afghanistan gelebt hat, hinzu. (…)

Afghanistan-Experte Ruttig stört ganz generell, wie in Deutschland über Afghanistan gesprochen wird: „Das Gerede, dass immerhin bleibe, dass man den Menschen in Afghanistan Bildung vermittelt habe, ist ebenfalls Selbstbespiegelung. Denn es bleiben keine Strukturen bestehen, in denen die Menschen ihre erworbene Bildung jetzt noch nutzen können. Von den Hoffnungen, die geschürt wurden, ist nichts übrig geblieben“, lautet sein bitteres Fazit. (…)

„Aktuell ist entscheidend, dass eine Hungerkatastrophe verhindert werden muss. Wenn die Gelder der Vorgängerregierung dem Land vorenthalten werden, wird das nicht möglich sein“, sagt Ruttig. Das bedeute nicht, dass den Islamisten das Geld ausgezahlt werden soll. Die Mittel könnten “über treuhänderische, zweckgebundene Fonds” fließen. “Darüber muss der Westen mit den Taliban verhandeln. Gespräche laufen ja ohnehin schon. Und es muss schnell gehen, denn wenn der Winter kommt, droht die Katastrophe.“