Neue Zürcher Zeitung, 12 September 2024
AAN’s Jelena Bjelica is extensively quoted in this article in the Swiss daily (in German), commenting on the fact that – despite the Taleban’s poppy ban – there is no shortage of heroin in Europe. She says that this is due to the existence of large opium stocks in Afghanistan resulting from earlier years’ harvest. It is not yet clear when the ban on cultivation will also be felt by drug users in Europe. No one can know, says Bjelica, how long the opium stocks in Afghanistan and along the smuggling routes will last:
Die Erklärung liege in den grossen Vorräten an Opium in Afghanistan, sagt Jelena Bjelica, die für die Denkfabrik Afghanistan Analysts Network (AAN) seit Jahren die Drogenproduktion am Hindukusch verfolgt. «Die Ernten in den vergangenen zwanzig Jahren waren unglaublich.» In den Jahren vor dem Drogenverbot der Taliban 2022 habe die Opium- und Heroinproduktion in Afghanistan weit über der weltweit konsumierten Menge gelegen.
So habe Afghanistan sechs Jahre lang mehr als 6000 Tonnen Opium produziert, während nur 3700 Tonnen konsumiert worden seien, sagt Bjelica. Es sei daher davon auszugehen, dass noch riesige Bestände an Opium in Afghanistan sowie entlang der Schmuggelrouten in Iran, der Türkei, Tadschikistan und Russland existierten. Opium lasse sich ohne Probleme bis zu zehn Jahre lagern, besonders im trockenen Klima Afghanistans, sagt Bjelica. Auch Heroin werde nicht schlecht.
(…) «Opium ist ein perfektes Cash Crop», sagt Bjelica. Alternativen existierten praktisch nicht. Im trockenen Klima Afghanistans gebe es keine andere Feldfrucht, die auch nur annähernd so viel Geld einbringe. Granatäpfel, Mandeln, Pistazien oder Weintrauben könnten zwar relativ lukrativ sein, seien aber anspruchsvoller und würden meist nicht auf den gleichen Feldern wachsen, auf denen bisher Mohn angebaut worden sei. Auch brauchen sie Jahre, bis sie wirklich Erträge abwerfen.
(…) Die Taliban hätten das Drogenverbot aus ideologischen Gründen erlassen und überstürzt verkündet, ohne die langfristigen Folgen zu bedenken, sagt Bjelica. Das Regime habe das Verbot mit Gewalt durchgesetzt, den Bauern aber keine Hilfe angeboten, um auf andere Feldfrüchte umzustellen. Erst mit langer Verzögerung hätten sich die Taliban an die Vereinten Nationen gewandt, um Unterstützung zu erhalten, sagt die Drogenexpertin. Eine Umstellung der Landwirtschaft sei aber höchst komplex und werde Jahre brauchen.
(…) Wann das Anbauverbot auch für die Drogenkonsumenten in Europa spürbar wird, ist derweil offen. Niemand könne wissen, sagt Bjelica, wie lange die Opiumvorräte in Afghanistan und entlang der Schmuggelrouten noch halten würden.
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This article was last updated on 16 Sep 2024