Afghanistan Analysts Network – English

AAN in the Media

Afghanistan-Experte: Taliban bitten um Hilfe – Tür zum Dialog[?]

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Katholische Nachrichtenagentur, 6 March 2017 (not online)

The news agency of the German catholic church quotes AAN’s Thomas Ruttig about the Taleban’s invitation to NGOs and assurance to them of protection (in German):

Kabul (KNA) Der deutsche Afghanistan-Experte Thomas Ruttig sieht eine wachsende Dialogbereitschaft der radikalislamischen Taliban mit internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Er bestätigte am Montag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Kabul, dass die Taliban in einer am Wochenende im Internet veröffentlichten Botschaft internationale Hilfsorganisationen und Regierungen dazu aufgerufen hätten, den vom harten Winter betroffenen Afghanen zu helfen. Zugleich hätten sie versprochen, die dafür notwendige Sicherheit zu garantieren.

“Ich würde das als positives Zeichen bewerten, das die Tür zu ernsthaften Gesprächen mit den Taliban öffnen könnte”, sagte der Co-Direktor des Afghanistan Analysts Network (AAN). “Es sieht so aus, als ob sich die Taliban ein moderateres Gesicht geben wollen.” Vor einer Woche hätten sie beispielsweise zum Pflanzen von Bäumen aufgerufen – ihre Art von islamisch-religiös motiviertem Umweltschutz.

Zudem hätten die Taliban schon vor einigen Jahren ihre Bildungspolitik und ihre Haltung gegenüber NGOs verändert und gemäßigt, fügte Ruttig hinzu. “Das wird übrigens auch dem jetzigen Taliban-Chef Hebatullah Achundsada zu gute gehalten, der daran maßgeblich beteiligt gewesen sein soll.” Bislang gelten Mitarbeiter internationaler Organisationen als “Kollaborateure” der verhassten afghanischen Regierung.

Der Experte warnte zugleich vor zu großem Optimismus: Die Taliban-Führung sei nicht in der Lage, ihre Politik immer und überall umzusetzen. Das bedeute ein Risiko für NGOs, die sich nicht voll auf diese Zusicherungen verlassen könnten. Ruttig verwies auf einen Anschlag von Anfang Februar in der Nordprovinz Jowzjan. Dort habe ein Taliban-Abtrünniger sechs afghanische Rot-Kreuz-Mitarbeiter getötet und zwei weitere entführt. Die Taliban-Führung habe sich davon distanziert und den NGOs erneut Schutz versprochen. Nach wie vor sei jedoch mit Anschlägen auf nicht genehme Organisationen oder auf Medienvertreter zu rechnen. Bei Attentaten würden zudem “Kollateralschäden” und zivile Opfer in Kauf genommen.