Afghanistan Analysts Network – English

AAN in the Media

Afghanistan-Einsatz: Was läuft schief in Afghanistan?

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Deutsche Welle, 9 December 2015

AAN’s Thomas Ruttig is quoted on lessons learned from the ISAF mission in this analysis by the German international radio of the aims behind the German government’s decision to extend the stay of German soldiers in Afghanistan and the German defence minister’s cautious statement that there had been “mistakes” in the strategy (in German):

Doch von Anfang an seien die Weichen falsch gestellt worden, sind sich Experten einig. Thomas Ruttig, Co-Direktor des unabhängigen Think Tanks Afghanistan Analysts Network, argumentiert, nach dem Sieg über das Taliban-Regime habe man “Ansätze versäumt, diese ins politische System zu integrieren.” Und das, obwohl die Taliban “militärisch geschlagen und politisch geschwächt” gewesen seien. Mit den Folgen dieser maßgeblich von US-Präsident George Bush geprägten “Wir-reden-nicht-mit-Terroristen”-Politik kämpfen die in Afghanistan engagierten Staaten noch heute.

Darüber hinaus hätten die USA weder den damaligen afghanischen Präsidenten Hamid Karzai in politische Entscheidungen mit einbezogen, noch den Aufbau staatlicher Institutionen vorangetrieben, so Ruttig. Ein Machtvakuum entstand, das von jenen gefüllt wurde, denen man eigentlich jeglichen Einfluss in Afghanistan verwehren wollte: erst von lokalen Warlords, später den Taliban.

 

(…) “Man hat am Anfang sogar aktiv die Konfliktlinien, die es dort gab, ignoriert. Diese verliefen eben nicht zwischen den Taliban und der Regierung, sondern zwischen vielen bewaffneten Gruppen, die mit der afghanischen Regierung verbunden waren”, erläutert Thomas Ruttig. Stattdessen hielt die Bundeswehr an lokalen Machtstrukturen fest und kooperierte mit den etablierten Eliten. Warlords besetzten Gouverneurs-, Polizei- oder Geheimdienstposten – finanziert durch deutsche Entwicklungsgelder.

Unfreiwillig stärkte die Bundesrepublik damit die Taliban, die sich gegen die Warlords zu machtvollen Gruppen formierten. Afghanistan-Experte Ruttig schlussfolgert: “Deutschland hat im Grunde Kundus wie eine Insel behandelt, hat sich selbst eingeredet, dort wäre es stabil. Dabei war vorausgesagt worden, dass diese internen Konfliktlinien aufbrechen können.”

(…) “Der Beschluss der Bundesregierung, ein paar mehr Soldaten in Afghanistan zu lassen, ist Symbolpolitik, die signalisieren soll, dass man etwas tut. Militärisch ist das irrelevant.”